Wie ich zum ersten mal Soyana BioSoya-Klösse kaufte – und weshalb es vermutlich das letzte Mal war

•5. Mai 2012 • 2 Kommentare

Als ich gestern im lokalen Reformhaus auf die vorerwähnten Soya-Klösse stiess, freute ich mich darüber. Sie sehen lecker aus und ich kann mir gut vorstellen, dass sie ein tolles Fleischsubstitut abgeben, zudem schienen sie aufgrund der längeren Haltbarkeit praktisch. Auch nach einem Jahr als Vegetarier bin ich immer noch verschiedenste Produkte am ausprobieren. Ich kaufte also eine Packung dieser Soyana BioSoya-Klösse. Heute studierte ich diese dann genauer, zwecks Menuinspiration. Dabei fiel mir zuerst einmal folgender Abschnitt negativ auf „Kontrolliert bio heisst ohne Gentechnik hergestellt – Zusätzlich lassen wir jede Sendung eingekaufter Soyabohnen auf gentechnische Veränderungen hin untersuchen“. Pseudo-Bio-Anti-Gentech-Hysterie nervt mich. Ich befürworte den Einsatz der Gentechnologie und halte die Risiken für im gesellschaftlichen Diskurs völlig überbewertet, ja geradezu herbeigeredet. Der Mensch verändert die Gene seiner Nutzpflanzen seit er mit Ackerbau und Viehzucht begann. Dass die Holzhammermethode nun durch präzisere Technologie abgelöst wird ist nur zu begrüssen. Nun gut, aber es stört mich natürlich auch nicht, Produkte zu essen, die nicht gentechnisch modifiziert wurden.

Was mich wirklich stört, ist, mit dem Kauf eines Produktes gezwungenermassen eine religiöse Ideologie oder eine religiöse Organisation zu unterstützen. Und genau das ist bei Soyana-Produkten leider der Fall, wie ich mit Schrecken feststellen musste: Unter der Überschrift „10 % für die Kinder“ wird auf der Verpackung darauf hingewiesen, dass Soyana „10 % des Inhalts der Packung“ der humanitären Hilfsorganisation „Oneness-Heart-Tears and Smiles“ zur Verfügung stellt. Der Name der Organisation klingt schon mal eigenartig, aber sie soll die 10% aus meiner Packung immerhin an “Kinder, Mütter und Familien in Entwicklungsländern” weiterleiten. Warum die Männer ohne Familie Hungern sollen, bleibt dabei schleierhaft – aber damit könnte man ja noch leben.

Grundsätzlich schön und gut wäre das ganze, wenn denn wahr wäre, was die Organisation auf der Homepage schreibt „We have no political, religious or corporate affiliations“. Gleichzeitig steht da aber leider auch: “The Oneness-Heart-Tears and Smiles was founded and inspired by the international world harmony leader Sri Chinmoy.”. Das tönt schonmal ziemlich esoterisch. Also habe ich nachgeschaut, wer dieser “Sri Chinmoy”, der Gründer dieser Organisation ist. Ich will (ohne Näheres zu wissen) gar nicht bestreiten, dass er auch in humaitärer Mission unterwegs ist. Aber seine Homepage beginnt schon folgendermassen:

„Wenn die Macht der Liebe
die Liebe zur Macht ablöst
hat der Mensch
einen neuen Namen:
Gott.

Sri Chinmoy ist ein spiritueller Lehrer, der sein Leben dem Dienst an der Menschheit widmete. In seinen 43 Jahren im Westen war er bestrebt, die Menschheit zu inspirieren und ihr zu dienen, indem er ihr seelenvoll seine Gebete und Meditationen, seine literarischen, musikalischen und künstlerischen Werke anerbot.
Wir hoffen, dass die Einfachheit, die Reinheit und das Licht von Sri Chinmoys Werken und Wirken auch Sie inspirieren wird.“

Das ist mir dann doch einiges zu religiös und zu esoterisch. Ich will als Atheist das Wirken einer solchen Person und ihrer Organisationen aus Prinzip nicht unterstützen – selbst wenn zufällig diese eine, von ihm gegründete Organisation tatsächlich (nur) Gutes tun sollte.

Darum werde ich wohl künftig keine Soyana-Produkte mehr kaufen. Wirklich geniessen kann ich die Klösse jetzt auch nicht mehr. Schade.

“Christlichen Hilfswerken geht es ums Helfen, nicht ums missionieren!”

•3. Mai 2012 • Hinterlasse einen Kommentar

… Von wegen. Soweit lässts der Papst nicht kommen.

Darum: Kein Steuerfranken für Caritas.

Bedingungsloses Grundeinkommen

•1. Mai 2012 • 1 Kommentar

In der Nacht zum heutigen ersten Mai habe ich mir die Arena zur Lancierung der Initiative “für ein bedingungsloses Grundeinkommen” angeschaut.

Festzuhalten:

- Es ist erfrischend, wenn in der Arena tatsächlich diskutiert wird. Es sollten häufiger keine Profi-Parteipolitiker sondern andere Meinungsbilder und Träger eingeladen werden.

- Die zweite Reihe erweitert das Stimmungsbild, die dritte ff. sind sinnlos.

- Schade, aber zu erwarten, dass die Polemiker und Ideologen nur polemisieren und ideologische Ressentiments pflegen (gilt für beide Seiten).

- Die Kommunnismus/Sozialismus-Gleichsetzung war übelst aus der Luft- und abgegrifen.

- Die Initianten sind mir ganz fürchterlich unsympathisch.

- Herr Straub hielt es nicht einmal für nötig, auf die berechtigten und substantiierten makroökonomischen Einwände von Herr Strahm einzugehen. Stattdessen wich er aus und verfing sich (wieder) in humaistischen Allgemeinplätzen. In seiner Position: Ganz schwach.

- Der Herr aus dem Initiativkommitee im Hintergrund rechts war noch schlimmer. Nicht nur ist er aufgrund einer Anspielung offensichtlich Homöophatie-Groupie, nein, auch sein Vokabular ist ganz der Quacksalbermedizin verhaftet: Er will sogar die ganze Schweiz “dynamisieren”. Und dann gendert er bei der Rapportierung einer “plötzlichen Vision” auch noch frisch von der Leben weg “den Frauen” ganz generell “die Emotionen” zu.

- Köppel ist der Ansicht, dass jeder von dem leben können soll, was er mit seiner Erwerbsarbeit verdient. Ist das nicht schon fast sozialistisch?

- Dass der Initiativtext von der konkret vorgestellten Umsetzungsvariante eines bedingungslosen Grundeinkommens nichts enthält, darauf wurde mit keinem Wort hingewiesen. Vorgestellt wurde offenbar einfach die Idee, welche der eine Initiant in einem Büchlein abgehandelt hat. Schwach.

Der Gesamtindruck: Die Initianten sind mir unsympathisch. Ihre politischen Gegner auch. Die Diskussion ist spannend, bedarf aber grossen Fachwissens und wird hoffentlich mehr auf der fachlichen als auf der politisch/polemischen fortgeführt. Die Ökonomie und Mathematik der Idee gehen nicht auf. Schon im Modell nicht, aber erst recht nicht in der realen Welt. Es wäre schön, wenn die Initiative – und die Idee ein für allemal – im fachlich-sachlichen Diskurs statt im politisch-polemischen Schlagabtausch gebodigt würde. Leider ist das Gegenteil zu befürchten.

Kleruspfrundprotektionistische Genossen?

•19. März 2012 • Hinterlasse einen Kommentar

Die SP riskiert einmal mehr, auf meiner Unwählbarkeitsliste zu landen. Kleruspfrundprotektionistische Genossen? Danke für Obst. Apropos “Solidaritätsbeitrag”: Die Kirchen kriegen auch so weit mehr Geld in die Schlünde geworfen als die paar sozialen Projektchen auf dem freien Markt Wert wären. Und das ohne ordentliches Submissions- oder Subventionsverfahren.

Mehr Pfründe für Wenige statt weniger ungerechte und ungerechtfertigte Steuern für Viele – Ja. Ihre SP.

Mensch & Tier

•17. Dezember 2011 • 1 Kommentar

[...] Was die einzelnen Menschen angeht, dachte ich mir, dass Gott sie herausgegriffen hat und dass sie selbst daraus erkennen müssen, dass sie eigentlich Tiere sind. Denn jeder Mensch ist ein Zufall und auch die Tiere sind Zufall. Sie haben ein und dasselbe Geschick. Wie diese sterben, so sterben jene. Beide haben ein und denselben Atem. Einen Vorteil des Menschen gegenüber dem Tier gibt es das nicht. Beide sind Windhauch. Beide gehen an ein und denselben Ort. Beide sind aus Staub entstanden, beide kehren zum Staub zurück. Wer weiss, ob der Atem des einzelnen Menschen wirklich nach oben steigt, während der Atem der Tiere ins Erdreich hinabsinkt? So habe ich eingesehen: Es gibt kein Glück, es sei denn, der Mensch kann durch sein Tun Freude gewinnen. Das ist sein Anteil. Wer könnte es ihm ermöglichen, etwas zu geniessen, das erst nach ihm sein wird?[...]

Wenn man den Text liest, könnte man ihn einem deistischen Aufklärer aus dem 17./18. Jahrhundert zuordnen. Oder einem hedonistischen Philosophen. Tatsächlich handelt es sich aber um einen Text aus der Bibel (Kohelet, 3/18 ff.). Es erstaunt mich, dass auch ein solches Menschenbild eingang in dieses Buch gefunden hat. Dass der Mensch als den anderen Tieren gleichartig beschrieben wird, unterscheidet sich stark vom sonst dominanten Menschenbild in der Bibel.  Das Buch ist Flickwerk. Erfrischend, dass sich zwischen dem ganzen Irrsinn auch einmal eine solch unerwartet interessante Passage findet.

Für säkulare Politik: Wähle Gwendolan!

•17. Oktober 2011 • Hinterlasse einen Kommentar

Auf die Wahlen hin erlaube ich mir, daran zu erinnern, dass die Zürcher Wahlberechtigten bei den Wahlen nächste Woche die einzigartige Weltpremiere einer Gelegenheit haben, ein klares Statement für die Trennung von Kirche und Staat und eine säkulare Politik abzugeben.

Ganz einfach: Liste 21 einwerfen, womit ihr mich und meine Konsorten in den Nationalrat wählt!

Sogar Giaccobo & Müller empfehlen die Konfessionlosen – und Roger Köppel findets “völlig unseriös”. Das sind schon drei weitere gute Gründe für Zürcher Wahlberechtigte, Liste 21 einzuwerfen! :-)

Eine kritische Anmerkung zu smartspider von smartvote

•13. August 2011 • 2 Kommentare

Heute habe ich als Nationalratskandidat (vgl. letzten Eintrag) ein Profil bei smartvote.ch erstellt. Ich habe smartvote bei vergangenen Wahlen schon als Wähler genutzt und finde es eine gute Sache.
Nachdem ich die Fragen beantwortet habe, hat sich folgender smartspider (so bezeichnet smartvote seine graphische Darstellung des politischen Profils):

Auch wenn der eher tiefen Wert bei “Ausgebauter Sozialstaat” und der im Vergleich eher hohe Wert bei “Liberale Wirtschaftspolitik” nicht ganz meinem Selbstbild entsprachen, so macht mich doch am stutzigsten, dass ich bei “Liberale Gesellschaft” nur  etwa  75/100 Prozentpunkte erziele.

Aus diesem Grund habe ich einen Blick in die Unterlagen von smartvote geworfen, welche erläutern, wie der smartspider anhand des Fragebogens erstellt wird.

Der Achse „Liberale Gesellschaft“ rechnet smartvote folgende Themen zu:

  • Haltung zur freien Gestaltung der persönlichen Lebensform.
  • Haltung zum gesellschaftlichen Umgang mit unerwünschten oder tabuisierten Handlungen.
  • Haltung zu religiösen Fragen und zur Rolle von Religion, Schöpfungslehre und Kirche für Individuum und Staat.

Bei allen (bei mir relevanten) Items gab es vier Antwortmöglichkeiten mit folgenden Punktezahlen:

  • Ja (100 P)
  • Eher ja (75 P)
  • Eher nein (25 P)
  • Nein (0 P)

Bei Fragen, die für die Zustimmung zu einem Themengebiet zu verneinen sind, werden die Punkte umgekehrt vergeben.

Die Punktezahl für maximale Zustimmung erhält man demnach, wenn man die Anzahl Items, welche einen Einfluss auf die gewählte Achse haben, mit 100 multipliziert.

11 Items im Fragebogen sind der Achse „Liberale Gesellschaft“ zugeordnet. Die volle Punktzahl für eine maximale Zustimmung zu der Achse beträgt demnach 1‘100 Punkte.

Nachfolgend jene vier, bei welchen ich im Hinblick auf die Achse “Liberale Gesellschaft” Punkte eingebüsst habe (Einflüsse auf weiter Achsen sind z.T. vorhanden, aber hier weggelassen):

2 Finden Sie es grundsätzlich richtig, dass der Staat die Fremdbetreuung von Kindern finanziell unterstützt (mit Steuerabzügen oder Subventionen)? Liberale Gesellschaft Positiv
4 Soll zusätzlich zur bestehenden Mutterschaftsversicherung ein 24-wöchiger Elternurlaub (“Elternzeit”) eingeführt werden? Liberale Gesellschaft Positiv
29 Eine Volksinitiative möchte die Benachteiligung von Ehepaaren im Vergleich zu anderen Formen des Zusammenlebens bei Steuern und Renten (Heiratsstrafe) abschaffen. Dabei sollen Ehepaare weiterhin als Wirtschaftsgemeinschaft betrachtet werden und ihr Einkommen gemeinsam versteuern (bspw. nach dem “Splitting-Modell”). Unterstützen sie dies? Liberale Gesellschaft Negativ
58 Sollen die Befugnisse der Sicherheitsbehörden zur präventiven Überwachung des Post-, Telefon- und E-Mailverkehrs ausgeweitet werden? Liberale Gesellschaft Negativ

Bei den genannten Items habe ich Punkte für “Liberale Gesellschaft” verloren, weil ich folgendermassen antwortete:

  • Item 2: Eher ja (-25 Punkte)
  • Item 4: Eher nein (-75 Punkte)
  • Item 29: Ja (-100 Punkte)
  • Item 58: Ja (-100 Punkte)

Dass ich bei Item 58 mit meiner Antwort “Ja” im Hinblick auf “Liberale Gesellschaft” Punkte verloren habe, kann ich nachvollziehen, auch wenn es sich aus der smartovteeigenen Zuordnung nicht ergibt.

Die Abschaffung der Heiratsstrafe, nach welcher in Item 29 gefragt wird, könnte diese traditionelle Bindungsform etwas attraktiver machen. Deshalb könnte möglicherweise vertreten werden, dieses Item im negativen Sinne für die gesellschaftsliberale Achse als relevant zu erachten. Ich finde es allerdings etwas weit hergeholt und frage mich, ob wirklich diese Überlegung zu der Zuordnung geführt hat. Ausserdem geht es vorliegend ja bloss um einen Abbau von Diskriminierungen gegenüber dieser (traditionellen) Lebensweise, um sie anderen Formen des Zusammenlebens gleichzustellen. Eine Gleichstellung unterschiedlicher Formen des Zusammenlebens erachte ich aber gerade als Ausdruck von Gesellschaftsliberalismus. Natürlich könnte man auch argumentieren, dass die Lösung nicht weit genug gehe, weil die Ehepaare nach wie vor diskriminiert würden. Allerdings glaube ich nicht, dass smartvote “einen Kompromisschritt in die richtige Richtung” als Prinzipienverrat wertet.

Die Items 2 und 4 hingegen haben mit der Frage nach einer liberalen Gesellschaftsordnung aus meiner Sicht gar nichts. Es geht in erster Linie um das sozialpolitische Anliegen der Familienförderung. Was an diesem besonders gesellschaftsliberal sein soll, ist mir schleierhaft. Auch anhand der smartvoteeigenen Kriterien lässt es sich dieser Achse nicht nachvollziehbar zuordnen.

Die Analyse hat eine positive und eine negative Seite: Die positive Seite ist, dass ich mich in meinem gesellschaftsliberalen Selbstverständnis nicht ganz so gekränkt fühle, weil ich gewisse der betroffenen Themen im Gegensatz zu smartvote nicht der Achse „Liberale Gesellschaft“ zuordne. Die negative Seite ist, dass ich nun weiss, dass ich gemäss smartvote nicht „etwa 75%“ gesellschaftsliberal bin, sondern bloss 72.7 %.

Wenn man dreist annähme, dass sich die Anzahl kritiserbarer Zuordnungen von den analysierten vier Items extrapolieren liesse, dann verhiesse das für die Aussagekraft der hübschen smartspider-Bildchen nicht gerade viel gutes. Ich gehe davon auch nicht aus. Aber sie sind auf alle Fälle mit skeptischem Blick zu betrachten. Beruhigend, dass die smartspider-Achsen für die effektiven Wahlempfehlungen von smartvote keine Relevanz haben, sondern dort direkt die Fragen gematcht werden.

 
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