Mensch & Tier

•17. Dezember 2011 • 1 Kommentar

[...] Was die einzelnen Menschen angeht, dachte ich mir, dass Gott sie herausgegriffen hat und dass sie selbst daraus erkennen müssen, dass sie eigentlich Tiere sind. Denn jeder Mensch ist ein Zufall und auch die Tiere sind Zufall. Sie haben ein und dasselbe Geschick. Wie diese sterben, so sterben jene. Beide haben ein und denselben Atem. Einen Vorteil des Menschen gegenüber dem Tier gibt es das nicht. Beide sind Windhauch. Beide gehen an ein und denselben Ort. Beide sind aus Staub entstanden, beide kehren zum Staub zurück. Wer weiss, ob der Atem des einzelnen Menschen wirklich nach oben steigt, während der Atem der Tiere ins Erdreich hinabsinkt? So habe ich eingesehen: Es gibt kein Glück, es sei denn, der Mensch kann durch sein Tun Freude gewinnen. Das ist sein Anteil. Wer könnte es ihm ermöglichen, etwas zu geniessen, das erst nach ihm sein wird?[...]

Wenn man den Text liest, könnte man ihn einem deistischen Aufklärer aus dem 17./18. Jahrhundert zuordnen. Oder einem hedonistischen Philosophen. Tatsächlich handelt es sich aber um einen Text aus der Bibel (Kohelet, 3/18 ff.). Es erstaunt mich, dass auch ein solches Menschenbild eingang in dieses Buch gefunden hat. Dass der Mensch als den anderen Tieren gleichartig beschrieben wird, unterscheidet sich stark vom sonst dominanten Menschenbild in der Bibel.  Das Buch ist Flickwerk. Erfrischend, dass sich zwischen dem ganzen Irrsinn auch einmal eine solch unerwartet interessante Passage findet.

Für säkulare Politik: Wähle Gwendolan!

•17. Oktober 2011 • Hinterlasse einen Kommentar

Auf die Wahlen hin erlaube ich mir, daran zu erinnern, dass die Zürcher Wahlberechtigten bei den Wahlen nächste Woche die einzigartige Weltpremiere einer Gelegenheit haben, ein klares Statement für die Trennung von Kirche und Staat und eine säkulare Politik abzugeben.

Ganz einfach: Liste 21 einwerfen, womit ihr mich und meine Konsorten in den Nationalrat wählt!

Sogar Giaccobo & Müller empfehlen die Konfessionlosen – und Roger Köppel findets „völlig unseriös“. Das sind schon drei weitere gute Gründe für Zürcher Wahlberechtigte, Liste 21 einzuwerfen! :-)

Eine kritische Anmerkung zu smartspider von smartvote

•13. August 2011 • 2 Kommentare

Heute habe ich als Nationalratskandidat (vgl. letzten Eintrag) ein Profil bei smartvote.ch erstellt. Ich habe smartvote bei vergangenen Wahlen schon als Wähler genutzt und finde es eine gute Sache.
Nachdem ich die Fragen beantwortet habe, hat sich folgender smartspider (so bezeichnet smartvote seine graphische Darstellung des politischen Profils):

Auch wenn der eher tiefen Wert bei „Ausgebauter Sozialstaat“ und der im Vergleich eher hohe Wert bei „Liberale Wirtschaftspolitik“ nicht ganz meinem Selbstbild entsprachen, so macht mich doch am stutzigsten, dass ich bei „Liberale Gesellschaft“ nur  etwa  75/100 Prozentpunkte erziele.

Aus diesem Grund habe ich einen Blick in die Unterlagen von smartvote geworfen, welche erläutern, wie der smartspider anhand des Fragebogens erstellt wird.

Der Achse „Liberale Gesellschaft“ rechnet smartvote folgende Themen zu:

  • Haltung zur freien Gestaltung der persönlichen Lebensform.
  • Haltung zum gesellschaftlichen Umgang mit unerwünschten oder tabuisierten Handlungen.
  • Haltung zu religiösen Fragen und zur Rolle von Religion, Schöpfungslehre und Kirche für Individuum und Staat.

Bei allen (bei mir relevanten) Items gab es vier Antwortmöglichkeiten mit folgenden Punktezahlen:

  • Ja (100 P)
  • Eher ja (75 P)
  • Eher nein (25 P)
  • Nein (0 P)

Bei Fragen, die für die Zustimmung zu einem Themengebiet zu verneinen sind, werden die Punkte umgekehrt vergeben.

Die Punktezahl für maximale Zustimmung erhält man demnach, wenn man die Anzahl Items, welche einen Einfluss auf die gewählte Achse haben, mit 100 multipliziert.

11 Items im Fragebogen sind der Achse „Liberale Gesellschaft“ zugeordnet. Die volle Punktzahl für eine maximale Zustimmung zu der Achse beträgt demnach 1‘100 Punkte.

Nachfolgend jene vier, bei welchen ich im Hinblick auf die Achse „Liberale Gesellschaft“ Punkte eingebüsst habe (Einflüsse auf weiter Achsen sind z.T. vorhanden, aber hier weggelassen):

2 Finden Sie es grundsätzlich richtig, dass der Staat die Fremdbetreuung von Kindern finanziell unterstützt (mit Steuerabzügen oder Subventionen)? Liberale Gesellschaft Positiv
4 Soll zusätzlich zur bestehenden Mutterschaftsversicherung ein 24-wöchiger Elternurlaub („Elternzeit“) eingeführt werden? Liberale Gesellschaft Positiv
29 Eine Volksinitiative möchte die Benachteiligung von Ehepaaren im Vergleich zu anderen Formen des Zusammenlebens bei Steuern und Renten (Heiratsstrafe) abschaffen. Dabei sollen Ehepaare weiterhin als Wirtschaftsgemeinschaft betrachtet werden und ihr Einkommen gemeinsam versteuern (bspw. nach dem „Splitting-Modell“). Unterstützen sie dies? Liberale Gesellschaft Negativ
58 Sollen die Befugnisse der Sicherheitsbehörden zur präventiven Überwachung des Post-, Telefon- und E-Mailverkehrs ausgeweitet werden? Liberale Gesellschaft Negativ

Bei den genannten Items habe ich Punkte für „Liberale Gesellschaft“ verloren, weil ich folgendermassen antwortete:

  • Item 2: Eher ja (-25 Punkte)
  • Item 4: Eher nein (-75 Punkte)
  • Item 29: Ja (-100 Punkte)
  • Item 58: Ja (-100 Punkte)

Dass ich bei Item 58 mit meiner Antwort „Ja“ im Hinblick auf „Liberale Gesellschaft“ Punkte verloren habe, kann ich nachvollziehen, auch wenn es sich aus der smartovteeigenen Zuordnung nicht ergibt.

Die Abschaffung der Heiratsstrafe, nach welcher in Item 29 gefragt wird, könnte diese traditionelle Bindungsform etwas attraktiver machen. Deshalb könnte möglicherweise vertreten werden, dieses Item im negativen Sinne für die gesellschaftsliberale Achse als relevant zu erachten. Ich finde es allerdings etwas weit hergeholt und frage mich, ob wirklich diese Überlegung zu der Zuordnung geführt hat. Ausserdem geht es vorliegend ja bloss um einen Abbau von Diskriminierungen gegenüber dieser (traditionellen) Lebensweise, um sie anderen Formen des Zusammenlebens gleichzustellen. Eine Gleichstellung unterschiedlicher Formen des Zusammenlebens erachte ich aber gerade als Ausdruck von Gesellschaftsliberalismus. Natürlich könnte man auch argumentieren, dass die Lösung nicht weit genug gehe, weil die Ehepaare nach wie vor diskriminiert würden. Allerdings glaube ich nicht, dass smartvote „einen Kompromisschritt in die richtige Richtung“ als Prinzipienverrat wertet.

Die Items 2 und 4 hingegen haben mit der Frage nach einer liberalen Gesellschaftsordnung aus meiner Sicht gar nichts. Es geht in erster Linie um das sozialpolitische Anliegen der Familienförderung. Was an diesem besonders gesellschaftsliberal sein soll, ist mir schleierhaft. Auch anhand der smartvoteeigenen Kriterien lässt es sich dieser Achse nicht nachvollziehbar zuordnen.

Die Analyse hat eine positive und eine negative Seite: Die positive Seite ist, dass ich mich in meinem gesellschaftsliberalen Selbstverständnis nicht ganz so gekränkt fühle, weil ich gewisse der betroffenen Themen im Gegensatz zu smartvote nicht der Achse „Liberale Gesellschaft“ zuordne. Die negative Seite ist, dass ich nun weiss, dass ich gemäss smartvote nicht „etwa 75%“ gesellschaftsliberal bin, sondern bloss 72.7 %.

Wenn man dreist annähme, dass sich die Anzahl kritiserbarer Zuordnungen von den analysierten vier Items extrapolieren liesse, dann verhiesse das für die Aussagekraft der hübschen smartspider-Bildchen nicht gerade viel gutes. Ich gehe davon auch nicht aus. Aber sie sind auf alle Fälle mit skeptischem Blick zu betrachten. Beruhigend, dass die smartspider-Achsen für die effektiven Wahlempfehlungen von smartvote keine Relevanz haben, sondern dort direkt die Fragen gematcht werden.

Gwendolan kandidiert

•12. August 2011 • 1 Kommentar

Und zwar bei der Nationalratswahl 2011. Auf der einzig unterstützungswürdigen Liste „Konfessionslose.ch„. Auf welchem Listenplatz ich stehe, bleibt aus Anonymitätsgründen geheim. Das spielt aber auch keine Rolle – die Kandidatinnen und Kandidaten sind nämlich alle super. Wer schon immer ein starkes Zeichen für eine klare Trennung von Kirche und Staat setzen wollte, dem sollte im Herbst die Wahl leicht fallen. Die Liste ist leider Wählern mit politischem Wohnsitz im Kanton Zürich vorbehalten. Auch auf Facebook findet man uns.
Die Anliegen, auf welche sich die schwer zu bändigende Atheisten- und Agnostikerhorde bisher zu vertreten geeinigt hat, finden sich im Detail hier erläutert. Es handelt sich um folgende politische Forderungen:

Einstehen für die Werte der Aufklärung

Trennung von Staat und Kirchen

Philosophie und Ethik statt Religionsunterricht an der Volksschule

Beibehaltung der liberalen Praxis zur Sterbehilfe

Beibehaltung des etablierten Abtreibungsrechts

Schaffung von Rahmenbedingungen zur Zulassung der Präimplantationsdiagnostik

Zulassung der Adoption durch gleichgeschlechtliche Paare

The Cost of the War on Drugs (Video)

•23. Juli 2011 • Hinterlasse einen Kommentar

„What about love? How do you explain love?“

•29. Juni 2011 • Hinterlasse einen Kommentar

A question that you’re asked from time to time when you disclose that you’re an atheist.

What about love?

That it couldn’t be explained is just a basically untrue. All feelings are created by pretty specific patterns of brain-activity. And why our brains produce them in certain situations, to make us act in a certain way, can be explained pretty good from an evolutionary-psychological point of view.

Why should love be different? Since evolution is pretty much about genes getting passed down from one generation to the next and to the one after that, and since love so obviousely helps to produce, protect and nurture offspring, it seems to me that explaining love even is one of the easier tasks.

Regarding love-songs, I prefer realistic text. It’s just so much more romantic if you cut away the soppy lies. My favorite one for that matter is by Tim Minchin who concludes truthfully: „If I didn’t have you, I’d have sombody else.

Ausbeute aus Kommentarschlachten: Great Ape Project / Speziezismus / Vegetarismus u. Veganismus

•22. Juni 2011 • 1 Kommentar

Entscheidend ist, dass die Eigenschaft “Zugehörigkeit zu einer bestimmten Spezies” entgegen dem verbreiteten Vorurteil keinen vernünftigen Anknüpfungspunkt für ethische Normen bietet.

Anküpfungspunkt dafür, wie ein Lebewesen zu behandeln ist, müssen unabhängig von seiner Spezieszugehörigkeit seine Eigenschaften wie “Hat Interessen” oder “Ist in der Lage, Schmerzen zu empfinden” sein.

Die Empirie dafür, dass auch nichtmenschliche Spezies z.b. Leid empfinden können, besteht längst. Und nicht nur für die “Grossen Affen”, sondern auch für viele andere Tierarten. Das ist der Teil, den die Wissenschaft beisteuert.

Wenn wir davon ausgehen, dass wir ethische Gebote beim Menschen aus solchen Eigenschaften ableiten (und eine nicht-metaphysische Ethik kommt nicht um das herum), dann gibt es keinen Grund, weshalb diese ethischen Gebote nicht auch für Angehörige anderer Spezies mit gleichen oder ähnlichen Eigenschaften gelten sollen.

Ich glaube, wer eine konsequent nicht-metaphysische Ethik vertritt kommt schwerlich umhin zumindest anzuerkennen, dass der Fleischkonsum zumindest in der aktuell verbreiteten Form mit aus ethisch eigentlich untolerierbarer Verletzung der Interessen anderer Lebewesen einhergeht.

Dass gegen das “Töten an sich” je nach Auffassung relativ wenig spricht (weder bei Mensch noch bei Tier), ist dafür irrelevant, weil es praktisch nicht möglich ist, die Tierprodukte Fleisch, Eier, Milch und ihre jeweiligen Derivate ohne die Verursachung grosser Mengen unnötigen Leides herzustellen.

Auch wenn ich selbst (noch) nicht Veganer bin, so bin ich zumindest der Ansicht, dass eine Beteiligung an absichtlicher und überflüssiger Leidzufügung ethisch nicht vertretbar ist. Leben ist Wettbewerb, und ohne – zumindest indirekt – anderen Lebewesen Leid zuzufügen, kann auch der konsequenteste Veganer wohl nicht leben. Aber ich bin der Ansicht, unsere Einsichtsfähigkeit verpflichtet uns, das durch unser eigenes Leben verursachte Leid auf ein Mindestmass zu reduzieren.

Natürlich gibt es daneben auch viele metaphysisch motivierte, mithin irrationale Veganer. Auch die Subgruppe der Frutarier gehört m.E. dazu. Ich glaube, wenn Leute sich nur pauschal über “Veganer” lustig macht, machen sie es sich doch etwas zu einfach.

Ob und wie weit ethischen Postulate in juristische Normen zu giessen seien – diese Frage stellt sich natürlich bei sowohl bei Tieren wie auch bei Menschen.

Everybody Draw Mr. M. Day 2011

•21. Mai 2011 • Hinterlasse einen Kommentar

was yesterday.

Jup Ratzfatz und seine Gläubiger

•20. März 2011 • Hinterlasse einen Kommentar

Das Filmchen soll dem öffentlich-rechtlichen Sender einige unfreundliche Rückmeldungen eingehandelt haben…

Lesenswert: Das beste Spiel seit [indiziert]

•15. März 2011 • Hinterlasse einen Kommentar

Das Spiel Bulletstorm an sich interessiert mich nicht übermässig, Shooter wiederholen sich meist doch ziemlich stark. Aber staatliche Kunstzensur, die naiverweise auch in der Schweiz von vielen Politikern befürwortet und gefordert wird, ist skandalös und einer freiheitlichen Gesellschaft unwürdig. Deshalb ist der Artikel wichtig und lesenswert:

http://www.heise.de/tp/r4/artikel/34/34303/1.html

 
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