Ausbeute aus Kommentarschlachten: Great Ape Project / Speziezismus / Vegetarismus u. Veganismus

Entscheidend ist, dass die Eigenschaft “Zugehörigkeit zu einer bestimmten Spezies” entgegen dem verbreiteten Vorurteil keinen vernünftigen Anknüpfungspunkt für ethische Normen bietet.

Anküpfungspunkt dafür, wie ein Lebewesen zu behandeln ist, müssen unabhängig von seiner Spezieszugehörigkeit seine Eigenschaften wie “Hat Interessen” oder “Ist in der Lage, Schmerzen zu empfinden” sein.

Die Empirie dafür, dass auch nichtmenschliche Spezies z.b. Leid empfinden können, besteht längst. Und nicht nur für die “Grossen Affen”, sondern auch für viele andere Tierarten. Das ist der Teil, den die Wissenschaft beisteuert.

Wenn wir davon ausgehen, dass wir ethische Gebote beim Menschen aus solchen Eigenschaften ableiten (und eine nicht-metaphysische Ethik kommt nicht um das herum), dann gibt es keinen Grund, weshalb diese ethischen Gebote nicht auch für Angehörige anderer Spezies mit gleichen oder ähnlichen Eigenschaften gelten sollen.

Ich glaube, wer eine konsequent nicht-metaphysische Ethik vertritt kommt schwerlich umhin zumindest anzuerkennen, dass der Fleischkonsum zumindest in der aktuell verbreiteten Form mit aus ethisch eigentlich untolerierbarer Verletzung der Interessen anderer Lebewesen einhergeht.

Dass gegen das “Töten an sich” je nach Auffassung relativ wenig spricht (weder bei Mensch noch bei Tier), ist dafür irrelevant, weil es praktisch nicht möglich ist, die Tierprodukte Fleisch, Eier, Milch und ihre jeweiligen Derivate ohne die Verursachung grosser Mengen unnötigen Leides herzustellen.

Auch wenn ich selbst (noch) nicht Veganer bin, so bin ich zumindest der Ansicht, dass eine Beteiligung an absichtlicher und überflüssiger Leidzufügung ethisch nicht vertretbar ist. Leben ist Wettbewerb, und ohne – zumindest indirekt – anderen Lebewesen Leid zuzufügen, kann auch der konsequenteste Veganer wohl nicht leben. Aber ich bin der Ansicht, unsere Einsichtsfähigkeit verpflichtet uns, das durch unser eigenes Leben verursachte Leid auf ein Mindestmass zu reduzieren.

Natürlich gibt es daneben auch viele metaphysisch motivierte, mithin irrationale Veganer. Auch die Subgruppe der Frutarier gehört m.E. dazu. Ich glaube, wenn Leute sich nur pauschal über “Veganer” lustig macht, machen sie es sich doch etwas zu einfach.

Ob und wie weit ethischen Postulate in juristische Normen zu giessen seien – diese Frage stellt sich natürlich bei sowohl bei Tieren wie auch bei Menschen.

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Ausbeute aus Kommentarschlachten: Great Ape Project / Speziezismus / Vegetarismus u. Veganismus

Ein Gedanke zu “Ausbeute aus Kommentarschlachten: Great Ape Project / Speziezismus / Vegetarismus u. Veganismus

  1. Frutarier sind keine Subgruppe von Veganern, schon alleine weil jeder, der eine Diät befolgt streng genommen kein Veganer ist. Die vegane Ernährungsform ist nämlich bei Veganern sekundär, also eine Konsequenz einer ethischen Entscheidung. Bei allen „Köstlern“ also z. B. auch Rohköstlern oder Frutariern, die primär keine ethischen Ziele verfolgen, kann also von Veganismus keine Rede sein.

    Allerdings gebe ich dir Recht dass Pflanzenrechte irrational sind, schließlich haben Pflanzen keine Fähigkeiten, Eigenschaften und Merkmale, für die sie für ethische Rechte in Anbetracht kommen.

    Du definierst Leben mal eben so locker flockig als Wettbewerb, und scheinst es mit Evolution zu verwechseln. Allerdings ist die Fähigkeit ethische Entscheidungen zu fällen ein Bestandteil der menschlichen Evolution, genau wie die Fähigkeit zu kooperieren. Und nur der menschliche Kontext – unsere Fähigkeiten – sind relevant bei der Evaluierung der Frage nach unserem Verhalten, besonders wenn dieses Verhalten auf ethische Rechte einwirkt. Was „das Leben“ ist, also dass die Eidechse eine Fliege mampft, weil also in dieser Lebenssituation Konkurrenz herrscht, kann niemals *für Menschen* eine Rechtfertigung sein, z. B. „Behinderte oder Ausländer zu klatschen“, oder andere Tiere zu konsumieren.

    Du schreibst im Anschluss „ohne – zumindest indirekt – anderen Lebewesen Leid zuzufügen, kann auch der konsequenteste Veganer wohl nicht leben.“

    Darum geht es auch nicht. Die zentrale Prämisse des Veganismus ist die Vermeidung des Vermeidbaren während der Beteiligung an der gegenwärtigen Gesellschaft.

    Die Kompromisse die hierbei gebildet werden müssen sind übrigens ungleich kleiner als deine Realisierung mit einem unveganen Leben zu kombinieren:-)

    Gruß, Ava

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