Wie ich zum ersten mal Soyana BioSoya-Klösse kaufte – und weshalb es vermutlich das letzte Mal war

Als ich gestern im lokalen Reformhaus auf die vorerwähnten Soya-Klösse stiess, freute ich mich darüber. Sie sehen lecker aus und ich kann mir gut vorstellen, dass sie ein tolles Fleischsubstitut abgeben, zudem schienen sie aufgrund der längeren Haltbarkeit praktisch. Auch nach einem Jahr als Vegetarier bin ich immer noch verschiedenste Produkte am ausprobieren. Ich kaufte also eine Packung dieser Soyana BioSoya-Klösse. Heute studierte ich diese dann genauer, zwecks Menuinspiration. Dabei fiel mir zuerst einmal folgender Abschnitt negativ auf „Kontrolliert bio heisst ohne Gentechnik hergestellt – Zusätzlich lassen wir jede Sendung eingekaufter Soyabohnen auf gentechnische Veränderungen hin untersuchen“. Pseudo-Bio-Anti-Gentech-Hysterie nervt mich. Ich befürworte den Einsatz der Gentechnologie und halte die Risiken für im gesellschaftlichen Diskurs völlig überbewertet, ja geradezu herbeigeredet. Der Mensch verändert die Gene seiner Nutzpflanzen seit er mit Ackerbau und Viehzucht begann. Dass die Holzhammermethode nun durch präzisere Technologie abgelöst wird ist nur zu begrüssen. Nun gut, aber es stört mich natürlich auch nicht, Produkte zu essen, die nicht gentechnisch modifiziert wurden.

Was mich wirklich stört, ist, mit dem Kauf eines Produktes gezwungenermassen eine religiöse Ideologie oder eine religiöse Organisation zu unterstützen. Und genau das ist bei Soyana-Produkten leider der Fall, wie ich mit Schrecken feststellen musste: Unter der Überschrift „10 % für die Kinder“ wird auf der Verpackung darauf hingewiesen, dass Soyana „10 % des Inhalts der Packung“ der humanitären Hilfsorganisation „Oneness-Heart-Tears and Smiles“ zur Verfügung stellt. Der Name der Organisation klingt schon mal eigenartig, aber sie soll die 10% aus meiner Packung immerhin an „Kinder, Mütter und Familien in Entwicklungsländern“ weiterleiten. Warum die Männer ohne Familie Hungern sollen, bleibt dabei schleierhaft – aber damit könnte man ja noch leben.

Grundsätzlich schön und gut wäre das ganze, wenn denn wahr wäre, was die Organisation auf der Homepage schreibt „We have no political, religious or corporate affiliations“. Gleichzeitig steht da aber leider auch: “The Oneness-Heart-Tears and Smiles was founded and inspired by the international world harmony leader Sri Chinmoy.”. Das tönt schonmal ziemlich esoterisch. Also habe ich nachgeschaut, wer dieser “Sri Chinmoy”, der Gründer dieser Organisation ist. Ich will (ohne Näheres zu wissen) gar nicht bestreiten, dass er auch in humaitärer Mission unterwegs ist. Aber seine Homepage beginnt schon folgendermassen:

„Wenn die Macht der Liebe
die Liebe zur Macht ablöst
hat der Mensch
einen neuen Namen:
Gott.

Sri Chinmoy ist ein spiritueller Lehrer, der sein Leben dem Dienst an der Menschheit widmete. In seinen 43 Jahren im Westen war er bestrebt, die Menschheit zu inspirieren und ihr zu dienen, indem er ihr seelenvoll seine Gebete und Meditationen, seine literarischen, musikalischen und künstlerischen Werke anerbot.
Wir hoffen, dass die Einfachheit, die Reinheit und das Licht von Sri Chinmoys Werken und Wirken auch Sie inspirieren wird.“

Das ist mir dann doch einiges zu religiös und zu esoterisch. Ich will als Atheist das Wirken einer solchen Person und ihrer Organisationen aus Prinzip nicht unterstützen – selbst wenn zufällig diese eine, von ihm gegründete Organisation tatsächlich (nur) Gutes tun sollte.

Darum werde ich wohl künftig keine Soyana-Produkte mehr kaufen. Wirklich geniessen kann ich die Klösse jetzt auch nicht mehr. Schade.

Advertisements
Wie ich zum ersten mal Soyana BioSoya-Klösse kaufte – und weshalb es vermutlich das letzte Mal war

Bedingungsloses Grundeinkommen

In der Nacht zum heutigen ersten Mai habe ich mir die Arena zur Lancierung der Initiative „für ein bedingungsloses Grundeinkommen“ angeschaut.

Festzuhalten:

– Es ist erfrischend, wenn in der Arena tatsächlich diskutiert wird. Es sollten häufiger keine Profi-Parteipolitiker sondern andere Meinungsbilder und Träger eingeladen werden.

– Die zweite Reihe erweitert das Stimmungsbild, die dritte ff. sind sinnlos.

– Schade, aber zu erwarten, dass die Polemiker und Ideologen nur polemisieren und ideologische Ressentiments pflegen (gilt für beide Seiten).

– Die Kommunnismus/Sozialismus-Gleichsetzung war übelst aus der Luft- und abgegrifen.

– Die Initianten sind mir ganz fürchterlich unsympathisch.

– Herr Straub hielt es nicht einmal für nötig, auf die berechtigten und substantiierten makroökonomischen Einwände von Herr Strahm einzugehen. Stattdessen wich er aus und verfing sich (wieder) in humaistischen Allgemeinplätzen. In seiner Position: Ganz schwach.

– Der Herr aus dem Initiativkommitee im Hintergrund rechts war noch schlimmer. Nicht nur ist er aufgrund einer Anspielung offensichtlich Homöophatie-Groupie, nein, auch sein Vokabular ist ganz der Quacksalbermedizin verhaftet: Er will sogar die ganze Schweiz „dynamisieren“. Und dann gendert er bei der Rapportierung einer „plötzlichen Vision“ auch noch frisch von der Leben weg „den Frauen“ ganz generell „die Emotionen“ zu.

– Köppel ist der Ansicht, dass jeder von dem leben können soll, was er mit seiner Erwerbsarbeit verdient. Ist das nicht schon fast sozialistisch?

– Dass der Initiativtext von der konkret vorgestellten Umsetzungsvariante eines bedingungslosen Grundeinkommens nichts enthält, darauf wurde mit keinem Wort hingewiesen. Vorgestellt wurde offenbar einfach die Idee, welche der eine Initiant in einem Büchlein abgehandelt hat. Schwach.

Der Gesamtindruck: Die Initianten sind mir unsympathisch. Ihre politischen Gegner auch. Die Diskussion ist spannend, bedarf aber grossen Fachwissens und wird hoffentlich mehr auf der fachlichen als auf der politisch/polemischen fortgeführt. Die Ökonomie und Mathematik der Idee gehen nicht auf. Schon im Modell nicht, aber erst recht nicht in der realen Welt. Es wäre schön, wenn die Initiative – und die Idee ein für allemal – im fachlich-sachlichen Diskurs statt im politisch-polemischen Schlagabtausch gebodigt würde. Leider ist das Gegenteil zu befürchten.

Bedingungsloses Grundeinkommen