Gwendolan kandidiert

Und zwar bei der Nationalratswahl 2011. Auf der einzig unterstützungswürdigen Liste „Konfessionslose.ch„. Auf welchem Listenplatz ich stehe, bleibt aus Anonymitätsgründen geheim. Das spielt aber auch keine Rolle – die Kandidatinnen und Kandidaten sind nämlich alle super. Wer schon immer ein starkes Zeichen für eine klare Trennung von Kirche und Staat setzen wollte, dem sollte im Herbst die Wahl leicht fallen. Die Liste ist leider Wählern mit politischem Wohnsitz im Kanton Zürich vorbehalten. Auch auf Facebook findet man uns.
Die Anliegen, auf welche sich die schwer zu bändigende Atheisten- und Agnostikerhorde bisher zu vertreten geeinigt hat, finden sich im Detail hier erläutert. Es handelt sich um folgende politische Forderungen:

Einstehen für die Werte der Aufklärung

Trennung von Staat und Kirchen

Philosophie und Ethik statt Religionsunterricht an der Volksschule

Beibehaltung der liberalen Praxis zur Sterbehilfe

Beibehaltung des etablierten Abtreibungsrechts

Schaffung von Rahmenbedingungen zur Zulassung der Präimplantationsdiagnostik

Zulassung der Adoption durch gleichgeschlechtliche Paare

Gwendolan kandidiert

Craig Venter und das Geheimnis des Lebens

Ein paar Gedanken zur Berichterstattung in 10vor10 über die durch Craig Venters Team komplett mit einem synthetischen Genom versehene Zelle. Ich persönlich finde das einfach nur extrem cool – die Forscher haben sogar die Namen der 46 Hauptmitarbeiter sowie drei berühmte Zitate in den Code eingebaut. Die Zelle ist gemäss 10vor10 „Motor“ und „Kraftwerk“ des Lebewesens. Was natürlich unsinnige Analogien sind, weil Zellen als der Grundbaustein von Lebewesen einfach jede nur denkbare Funktion wahrnehmen. Das Leben ist offenbar wahnsinnig geheimnisvoll. Und das soll gemäss 10vor10 wohl auch so bleiben.

Die Forscher sprechen über „Missbrauchpotential“ und meinen: „Könnte als Waffe eingesetzt werden und Menschen Verletzen.“ Dieses gibt es zweifellos. Die Bioethiker sagen „Missbrauchspotential“ und meinen: „Die Heiligkeit des Lebens könnte verletzt werden. Gott spielen ist böse.“

Die auftretende Dame im 10vor10 meint: „Das geht ja in die Richtung, dass man Leben am Reissbrett entwerfen kann.“ Ja, gute Frau, genau darum geht es in dieser Forschungsrichtung. Und genau das macht ja die enormen Chancen aus – sowohl im Bereich der Erkenntnis als auch der Anwendungsmöglichkeiten. Man redet aneinander vorbei. Und es geht um „Gene“ – was ja schon an sich etwas gefährliches ist. Man will ja schliesslich auch „keine Gene im Essen“.

Ich wittere das nächste Strafgesetz.

Craig Venter und das Geheimnis des Lebens

Bioethischer Diskurs: Das Potentialitätsargument

Ein verbreitetes Argument im bioethischen Diskurs: „Der Embryo ist grundsätzlich ab der Verschmelzung der Keimzellen schutzwürdig, weil er ab dann das Potential für ein menschliches Individuum in sich birgt.“

Ich erwidere: Der Embryo ist nur der Bauplan. Freilich, der Bauplan wird auch eingebaut. Doch die Materie, aus welcher der „potentielle Mensch“ entstehen würde, kommt zu 99.99 %* von ausserhalb des Embryos. Wenn es eine Möglichkeit geben würde, diese Materie zu isolieren** – müsste man sie dann, wenn man das Argument des Potentials gelten lässt, nicht in noch viel grösserem Masse als „potentiellen, individuellen Menschen“ schützen?*** Der Embryo hat nicht das Potential, zu einem menschlichen Individuum heranzuwachsen. Das genannten Argument bietet keine überzeugende Begründung für eine Schutzwürdigkeit von Embryonen.

*Tatsächlich ist das Verhältnis natürlich noch wesentlich krasser:

Die Gesamtzahl der Zellen eines menschlichen Körpers beträgt laut Wikipedia ca. 10 bis 100 Billionen. Selbst wenn man davon ausgehen würde, dass einmal entstandene Körperzellen dauerhaft erhalten blieben (was natürlich nicht der Fall ist), ergäbe das ein Prozentverhältnis, welches noch  ziemlich viele Neunen mehr hinter dem Komma von „99.99“ erforderte.

** Es lässt sich isoloieren: Menschen werden aus den Stoffen zusammengesetzt, welche die Mutter und später die Embryonen bzw. Föten bzw. Kinder bzw. Erwachsene aufnehmen: Nahrung.

***Schutzwürdigkeit der Kartoffel aufgrund des Potentials, zu ein Mensch zu werden?

Bioethischer Diskurs: Das Potentialitätsargument