Mission, Demission, Anerkennung, Aberkennung und Austritt

Auch vollkommen unkatholische Zeitgenossen bekunden derzeit auf Facebook ihre Solidarität mit dem katholischen Priester von Bürglen UR, welcher ein homosexuelles Frauenpaar gesegnet hat und nun vom Bischoff von Chur aufgefordert wurde, seine Demission einzureichen.

Das irritiert mich. Es steht jedem frei, in dieser Kirche mitzumachen oder eben nicht. Wem die katholische Kirche und ihre Dogmen nicht passt, der kann und soll austreten. Dass sich die umstrittene Segnung kaum mit dem katholischen Dogma kaum in Einklang bringen lässt, dürfte kaum bestreitbar sein. Dass die katohlische Glaubenslehre und Personalpolitik hierarchisch und nicht etwa demokratisch organisiert ist, ist ebenfalls bekannt. Die Segnung homosexueller Paare widerspricht nach katholischem Dogma wohl durchaus der Mission eines katholischen Priesters. Dementsprechend finde ich es nicht überraschend oder empörend, wenn ein katholischer Priester, der dies trotzdem tut, von seinem Vorgesetzten zur Demission aufgefordert wird. Nebenbei: Weshalb ein homosexuelles Paar Wert auf das Placet gerade dieser Organisation legt, ist mir schleierhaft.

Die Interna der katholischen Kirche interessieren mich nicht und sind grundsätzlich auch nicht Sache der Gesamtgesellschaft. Angesichts der leider bestehenden Privilegien der öffentlich-rechtlich anerkannten Glaubensgemeinschaften in der Schweiz habe ich zwar ein gewisses Verständnis dafür, dass die Allgemeinheit sich von der Angelegenheit bis zu einem gewissen Grad mitbetroffen und zur Einmischung berufen fühlt. Da könnte man schon versucht sein, die so privliegierten Gruppierungen auch im Rahmen ihrer religiösen Tätigkeiten auf Einhaltung der rechtsstaatlichen Werte verpflichten zu wollen.

Die Lösung für dieses Betroffenheitsgefühl der Allgemeinheit kann meines Erachtens aber nicht darin liegen, dass sich die Gesamtgesellschaft in die Dogmenlehre einer partikulären Glaubensgemeinschaft einmischt und ihr vorschreibt, dass es „gerecht und richtig“ (oder gar: „christlich“) sei, homosexuelle Paare zu segnen.

Das Problem liegt vielmehr bei der öffentlich-rechtlichen Anerkennung von Glaubensgemeinschaften und den damit verbundenen Privilegien an sich. Nicht das katholische Dogma gehört abgeschaft, sondern dessen staatliche Anerkennung und Förderung. Wem die katholische Lehre gefällt, der soll in der katholischen Kirche ruhig mitmachen. Die vielen Mitglieder einer öffentlich-rechtlich anerkannten Glaubensgemeinschaft aber, welche sich mit jener Religion bzw. Organisation, in welche sie zufällig hineingeboren worden sind, nicht mehr identifizieren können, sollen doch bitte austreten. Es ist Zeit, dass wir Staat und Kirchen endlich trennen und es wäre schön, wenn die Menschen sich etwas überlegter aussuchen würden, mit wem und vor allem mit welchen Organisationen sie sympathisieren.

Advertisements
Mission, Demission, Anerkennung, Aberkennung und Austritt

Wie ich zum ersten mal Soyana BioSoya-Klösse kaufte – und weshalb es vermutlich das letzte Mal war

Als ich gestern im lokalen Reformhaus auf die vorerwähnten Soya-Klösse stiess, freute ich mich darüber. Sie sehen lecker aus und ich kann mir gut vorstellen, dass sie ein tolles Fleischsubstitut abgeben, zudem schienen sie aufgrund der längeren Haltbarkeit praktisch. Auch nach einem Jahr als Vegetarier bin ich immer noch verschiedenste Produkte am ausprobieren. Ich kaufte also eine Packung dieser Soyana BioSoya-Klösse. Heute studierte ich diese dann genauer, zwecks Menuinspiration. Dabei fiel mir zuerst einmal folgender Abschnitt negativ auf „Kontrolliert bio heisst ohne Gentechnik hergestellt – Zusätzlich lassen wir jede Sendung eingekaufter Soyabohnen auf gentechnische Veränderungen hin untersuchen“. Pseudo-Bio-Anti-Gentech-Hysterie nervt mich. Ich befürworte den Einsatz der Gentechnologie und halte die Risiken für im gesellschaftlichen Diskurs völlig überbewertet, ja geradezu herbeigeredet. Der Mensch verändert die Gene seiner Nutzpflanzen seit er mit Ackerbau und Viehzucht begann. Dass die Holzhammermethode nun durch präzisere Technologie abgelöst wird ist nur zu begrüssen. Nun gut, aber es stört mich natürlich auch nicht, Produkte zu essen, die nicht gentechnisch modifiziert wurden.

Was mich wirklich stört, ist, mit dem Kauf eines Produktes gezwungenermassen eine religiöse Ideologie oder eine religiöse Organisation zu unterstützen. Und genau das ist bei Soyana-Produkten leider der Fall, wie ich mit Schrecken feststellen musste: Unter der Überschrift „10 % für die Kinder“ wird auf der Verpackung darauf hingewiesen, dass Soyana „10 % des Inhalts der Packung“ der humanitären Hilfsorganisation „Oneness-Heart-Tears and Smiles“ zur Verfügung stellt. Der Name der Organisation klingt schon mal eigenartig, aber sie soll die 10% aus meiner Packung immerhin an „Kinder, Mütter und Familien in Entwicklungsländern“ weiterleiten. Warum die Männer ohne Familie Hungern sollen, bleibt dabei schleierhaft – aber damit könnte man ja noch leben.

Grundsätzlich schön und gut wäre das ganze, wenn denn wahr wäre, was die Organisation auf der Homepage schreibt „We have no political, religious or corporate affiliations“. Gleichzeitig steht da aber leider auch: “The Oneness-Heart-Tears and Smiles was founded and inspired by the international world harmony leader Sri Chinmoy.”. Das tönt schonmal ziemlich esoterisch. Also habe ich nachgeschaut, wer dieser “Sri Chinmoy”, der Gründer dieser Organisation ist. Ich will (ohne Näheres zu wissen) gar nicht bestreiten, dass er auch in humaitärer Mission unterwegs ist. Aber seine Homepage beginnt schon folgendermassen:

„Wenn die Macht der Liebe
die Liebe zur Macht ablöst
hat der Mensch
einen neuen Namen:
Gott.

Sri Chinmoy ist ein spiritueller Lehrer, der sein Leben dem Dienst an der Menschheit widmete. In seinen 43 Jahren im Westen war er bestrebt, die Menschheit zu inspirieren und ihr zu dienen, indem er ihr seelenvoll seine Gebete und Meditationen, seine literarischen, musikalischen und künstlerischen Werke anerbot.
Wir hoffen, dass die Einfachheit, die Reinheit und das Licht von Sri Chinmoys Werken und Wirken auch Sie inspirieren wird.“

Das ist mir dann doch einiges zu religiös und zu esoterisch. Ich will als Atheist das Wirken einer solchen Person und ihrer Organisationen aus Prinzip nicht unterstützen – selbst wenn zufällig diese eine, von ihm gegründete Organisation tatsächlich (nur) Gutes tun sollte.

Darum werde ich wohl künftig keine Soyana-Produkte mehr kaufen. Wirklich geniessen kann ich die Klösse jetzt auch nicht mehr. Schade.

Wie ich zum ersten mal Soyana BioSoya-Klösse kaufte – und weshalb es vermutlich das letzte Mal war

Kleruspfrundprotektionistische Genossen?

Die SP riskiert einmal mehr, auf meiner Unwählbarkeitsliste zu landen. Kleruspfrundprotektionistische Genossen? Danke für Obst. Apropos „Solidaritätsbeitrag“: Die Kirchen kriegen auch so weit mehr Geld in die Schlünde geworfen als die paar sozialen Projektchen auf dem freien Markt Wert wären. Und das ohne ordentliches Submissions- oder Subventionsverfahren.

Mehr Pfründe für Wenige statt weniger ungerechte und ungerechtfertigte Steuern für Viele – Ja. Ihre SP.

Kleruspfrundprotektionistische Genossen?

Mensch & Tier

[…] Was die einzelnen Menschen angeht, dachte ich mir, dass Gott sie herausgegriffen hat und dass sie selbst daraus erkennen müssen, dass sie eigentlich Tiere sind. Denn jeder Mensch ist ein Zufall und auch die Tiere sind Zufall. Sie haben ein und dasselbe Geschick. Wie diese sterben, so sterben jene. Beide haben ein und denselben Atem. Einen Vorteil des Menschen gegenüber dem Tier gibt es das nicht. Beide sind Windhauch. Beide gehen an ein und denselben Ort. Beide sind aus Staub entstanden, beide kehren zum Staub zurück. Wer weiss, ob der Atem des einzelnen Menschen wirklich nach oben steigt, während der Atem der Tiere ins Erdreich hinabsinkt? So habe ich eingesehen: Es gibt kein Glück, es sei denn, der Mensch kann durch sein Tun Freude gewinnen. Das ist sein Anteil. Wer könnte es ihm ermöglichen, etwas zu geniessen, das erst nach ihm sein wird?[…]

Wenn man den Text liest, könnte man ihn einem deistischen Aufklärer aus dem 17./18. Jahrhundert zuordnen. Oder einem hedonistischen Philosophen. Tatsächlich handelt es sich aber um einen Text aus der Bibel (Kohelet, 3/18 ff.). Es erstaunt mich, dass auch ein solches Menschenbild eingang in dieses Buch gefunden hat. Dass der Mensch als den anderen Tieren gleichartig beschrieben wird, unterscheidet sich stark vom sonst dominanten Menschenbild in der Bibel.  Das Buch ist Flickwerk. Erfrischend, dass sich zwischen dem ganzen Irrsinn auch einmal eine solch unerwartet interessante Passage findet.

Mensch & Tier

Für säkulare Politik: Wähle Gwendolan!

Auf die Wahlen hin erlaube ich mir, daran zu erinnern, dass die Zürcher Wahlberechtigten bei den Wahlen nächste Woche die einzigartige Weltpremiere einer Gelegenheit haben, ein klares Statement für die Trennung von Kirche und Staat und eine säkulare Politik abzugeben.

Ganz einfach: Liste 21 einwerfen, womit ihr mich und meine Konsorten in den Nationalrat wählt!

Sogar Giaccobo & Müller empfehlen die Konfessionlosen – und Roger Köppel findets „völlig unseriös“. Das sind schon drei weitere gute Gründe für Zürcher Wahlberechtigte, Liste 21 einzuwerfen! 🙂

Für säkulare Politik: Wähle Gwendolan!

Gwendolan kandidiert

Und zwar bei der Nationalratswahl 2011. Auf der einzig unterstützungswürdigen Liste „Konfessionslose.ch„. Auf welchem Listenplatz ich stehe, bleibt aus Anonymitätsgründen geheim. Das spielt aber auch keine Rolle – die Kandidatinnen und Kandidaten sind nämlich alle super. Wer schon immer ein starkes Zeichen für eine klare Trennung von Kirche und Staat setzen wollte, dem sollte im Herbst die Wahl leicht fallen. Die Liste ist leider Wählern mit politischem Wohnsitz im Kanton Zürich vorbehalten. Auch auf Facebook findet man uns.
Die Anliegen, auf welche sich die schwer zu bändigende Atheisten- und Agnostikerhorde bisher zu vertreten geeinigt hat, finden sich im Detail hier erläutert. Es handelt sich um folgende politische Forderungen:

Einstehen für die Werte der Aufklärung

Trennung von Staat und Kirchen

Philosophie und Ethik statt Religionsunterricht an der Volksschule

Beibehaltung der liberalen Praxis zur Sterbehilfe

Beibehaltung des etablierten Abtreibungsrechts

Schaffung von Rahmenbedingungen zur Zulassung der Präimplantationsdiagnostik

Zulassung der Adoption durch gleichgeschlechtliche Paare

Gwendolan kandidiert